Denkmalschutz und Denkmalpflege
Die Gebäude des Meierhofs im Einzelnen
Der Meierhof Rassfeld stellt ein beachtliches Stück Heimat-, Familien- und Stadtgeschichte dar. Die gesamte historische Hofanlage steht unter Denkmalschutz. Der Speicher seit 1984 und die restlichen Fachwerkgebäude und das gesamte Hofpflaster seit 1990.

Das Haupthaus
Der Schafstall
Die Fachwerkremise
Der Speicher
Die Kotten und der Dorf-Spieker
Der Hof-Laden
Die Gas-Übergabestation
Die Brücken
Die Flösswiesen

Die große Renovierung erläutern wir Ihnen auf unseren Seiten zum Denkmalschutz.
Bei der Renovierung von historischen Möbeln begleitet uns Herr Johann Kemper


Das Haupthaus

1825 als 4-Ständer-Fachwerkhaus mit sehr enger Ständerstellung errichtet. Die Inschrift im Deelentorbalken verrät uns die Erbauer und den Zimmermann: "Friedrich Christoph Meyer Rasfeld und Anna Maria Künsebecken jetzo Meier Rasfelds haben dieses Haus Bauen lassen, Aufgericht * den 1. Juny 1825 * Meister J. Dröge"



Giebelbreite 15.70 m
Trauflänge 35.20 m
Firsthöhe 11.30 m

Die Kopfbänder sind mit Lebensbaummotiven geschmückt. Das torumrahmende Band endet in einer Tulpenblüte. Der Wirtschaftsgiebel ist ursprünglich ganz mit repräsentativem, feinmaschigem Fachwerk errichtet worden. Die Giebelspitze ist mit einer schuppenartigen Holzverkleidung vernagelt und zeigt in ihrer Spitze eine aufgemalte Uhr.

Umbauten:
1880 (ca.) Entfernen der kleinen Viehställe durch Herausnahme der Zwischendecke und Vermauern der Mistluken und Türen an der Westseite. Im Innern wurde die Trennwand zu den kleinen Viehställen auf der Westseite um gut einen Meter zur Deelen Mitte versetzt. Dadurch erhielt der neue Stallbereich eine größere Tiefe. Der Deelenraum war ab nun nicht mehr symmetrisch, das Deelentor lag nicht mehr in der Mitte der Deele zwischen den inneren Ständern. Der Flettbereich wurde von der Deele abgetrennt und ein Erschließungsflur zwischen Deele und Wohnteil errichtet. Die äußere Erscheinung von da ab, übergeschlemmte Ziegel in den Gefachen, die mit rot (Ochsenrot) gestrichen waren und mit aufgemalten Fugenlinien abgesetzt waren (vgl. Bild von 1897).

1901 Erweiterung des Wohnhauses um zwei Wohngeschosse in repräsentativer Bauweise mit je einem Giebel nach Westen und Osten und großen Fenstern. Erstellung eines großen Gesellschaftsraums in der ersten Etage.

1952 Erweiterung des Kuhstalles und Ersetzen der Stallholzfenster durch Betonfenster mit Industrieglas. Durchgängige Aufstallung des Milchviehs und Herstellung eines maschinengerechten Futtertisches für das Grünfutter und Untermauerung des Westgiebels mit Klinker.

1976 Entfernen der Gesindekammer und des Hof-Kontors zur Erweiterung des Kuhstalles um weitere 10 Stellplätze auf ingesamt 27 Stände für Milchkühe.

1992 Beginn der Restaurierung der Deele und Rückbau des Büros, resp. Kontors, und Herrichten der Deele zu einem zeitweilig zu nutzenden Festraum. Erneuerung der brüchigen Eichendachlatten und Hohlziegel und Ersatz durch eine neue Dachhaut. Anstrich des Nordwestgiebels.

1993 Restaurierung der südwestlichen Längsseite nach altem Vorbild mit Holzstallfenstern und Ergänzung des maroden Fachwerks. Erscheinungsform den anderen Gebäuden angepasst mit weiß verputztem Gefach und naturfarbenem Fachwerk.

1994 Beginn des Rückbaus und der totalen Sanierung auf den baulichen Zustand vor 1901, jedoch ergänzt durch je zwei Dachgauben auf der West- und Ostseite. vgl. hierzu auch den Absatz "Die große Renovierung".

1995 Herstellung von Sozialräumen für die Mitarbeiter des Meierhofes und eine neue Toilettenanlage für den Deelenbetrieb in dem Bereich, der früher einmal Kuhstall war.

1996 Im Bereich der ehemaligen Milchkammer ist ein Heizraum erstellt worden, in dem die Heiz- und Wasserversorgunganlage untergebracht ist. Als Heizenergie wurde sich für Erdgas entschieden, als Heizkessel dient eine energiesparende Brennwerttherme. Das besonders im lebensmittelverarbeitenden Bereich des Hof-Laden benötigte heiße Wasser, wird durch eine Wärmerückgewinnungsanlage erhitzt.

1996 Für die Versorgung des gesamten Meierhofes mit Heizenergie ist der Betrieb an die städtische Gasversorgung angeschlossen worden. Zu diesem Zweck wurde an der Hofzufahrt in Höhe des Speichers eine Gas-Übergabestation errichtet. Das Erdgas wird zum heizen in den Geflügelaufzuchtställen, zum Kochen in Haus und Hof-Laden sowie zur Heizung des gesamten Anwesens genutzt.

Ursprüngliche Nutzung:
Das Haupthaus vereinte Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach. Auf der rechten Seite standen die Kühe, links das Jungvieh. Ställe und Deele machten zusammen den Wirtschaftsteil des Gebäudes aus, zugleich den Hauptarbeitsplatz für die Menschen. Auf dem Dachboden wurden Heu und Stroh gelagert. Den Abschluß der Ställe bildete je eine Schlafkammer, für die Knechte auf der Pferdeseite (links), gegenüber für die Mägde. Vor Kopf ging der Wirtschaftsteil über in den Wohnteil. Zuerst mit der Flett-Küche (Wohn- und Herdraum mit offener Feuerstelle) und dahinter die Kammern für die Bauersfamilie.

Heutige Nutzung:
Nach Umbau im Jahre 1992 wird die Deele als Veranstaltungsraum genutzt, der von 40 bis 130 Personen Platz zum feiern, Tagen und Genießen bietet.vermietet.



Der Schafstall


 

 

 


Erbaut im 17. Jahrhundert als zweischiffiger Bau aus Fachwerk auf hohem Bruchsteinsockel, 11 Gebinde lang mit langen Fußstreben als Eckaussteifung. Jeweils mit zwei Einfahrtstoren an jeder Giebelseite (weil der Mist während des ganzen Winters sitzen blieb, stieg dieser in Verbindung mit der Stroheinstreuung stark an, von daher werden Schafstalltore immer nach außen geöffnet).

Giebelbreite 15 m
Trauflänge 12,10 m
Firsthöhe 9.70m

 

 

 

 

Fußschwelle. Eingehälste Deckenbalken (aus Wurzelballen der Eiche). Die Giebeldreiecke sind über zweifach gekehlte Knaggen vorkragend. Der Giebel zur Hofseite wurde mit neuerer Verbretterung aus Kiefernholz auf alter Konstruktion versehen, der Rückgiebel ist mit älterer Verbretterung in Eiche hergestellt. Der rechte original Torbogen der Hofgiebelseite ist leider verschwunden und wurde jedoch im Rahmen der letzten Renovierung ersetzt. Die Ausfachung ist in Lehmpflechtwerk hergestellt, mit Kalk verputzt und weiß gestrichen. Andere Ausmauerungen bestehen aus gebrannten Tonsteinen und sind verputzt. Erweiterung des Schafstalls um die Kübbecke mit langem Schleppdach nach Westen.

Dieses Gebäude wurde mit Unterstützung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege und der Stadt Gütersloh von uns in den Jahren 1992/93 grundlegend restauriert, um das einmalige Bauwerk auch noch für die kommenden Generationen zu erhalten.


Dieses Bild enstand anlässlich Thanksgiving im Jahre 2001. Jedes Jahr wird mit einem großen Thanksgiving-Puten-Essen, auf der historischen Deele, Geld für bestimmte Service-Projekte gesammelt.

Ursprüngliche Nutzung:
Bis 1954 unterhielt der Meierhof eine eigene Schafherde von 150 Tieren, zu denen im Frühjahr noch die Lämmer kamen. Vom Spätherbst bis April nahm der Stall die Herde auf, die von einem Schäfer betreut wurde. Sommertags weideten die Schafe auf den Heide- und Ödlandflächen, über Nacht wurden die Tiere in Pferche getrieben. Auf dem Dachboden lagerten Getreidegarben sowie Heu und Stroh.

Heutige Nutzung:

Lager für Einstreu auf dem Dachboden und Haltung von Körner-Mast-Hähnchen und Puten für die hofeigene Direktvermarktung. Unter der Kübbecke (Anbau unter dem Schleppdach) befinden sich die Ställe für unsere Ziegen und Jakobschafe. Diese sehr seltenen Vierhornschafe haben auf dem Meierhof Rassfeld eine neue Bleibe gefunden.



Die Alte Remise

 

 

 


 


Durch Sturm zerstört am 14.11.1940

Giebelbreite 9,70 m
Hofseite 37 m
Firsthöhe 9.80 m

Errichtet 1941/42 als langgestreckter Fachwerkbau mit sechs Ständern. Im Herbst 1940 waren durch einen Orkan vier Eichen von der Waldseite auf die alte Remise gestürzt (vgl. Bild), so daß das Gebäude samt Inventar total zerstört wurde.

Die Inschrift am Giebelbalken auf der Südseite bezeugt dieses verheerende Ereignis:
DURCH STURM VERNICHTET 14.11.40 W R NEU ERBAUT IM JAHRE 1941-42 BAUHERR MEIER RASSFELD BAUMEISTER BREENKÖTTER

Auf der Hofseite lesen wir den Spruch:
BAUERN FAUST UND BAUERN FLEIß, OB AUCH SELTEN MAN SIE PREIST, SIND DES STAATES QUELL UND MACHT, SIND DIE SIEGER IN DER SCHLACHT, WOHL DEM STAAT, DER DIES BEDACHT.

Ursprüngliche Nutzung:
5 Unterstände von unterschiedlicher Tiefe für Fahrzeuge, Maschinen sowie Erntewagen mit Heu und Stroh, weshalb eine besonders hohe Deckenhöhe erforderlich war. Der vordere Teil beherbergte außerdem neben Werkstatt und Stellmacherei einen Aufenthaltsraum für Gefangene, die auf dem Meierhof beschäftigt wurden. Von 1934 bis 1985 unterhielt der Meierhof Rassfeld ein eigenes Lager für Gefangene, die im Rahmen des halboffenen Strafvollzuges (z.T. Freigänger) anfangs in der Landwirtschaft und der Landschaftskultivierung, später in der Industrie Arbeit fanden.

Heutige Nutzung:
Die Alte Remise wird zu einem Wohn-
und Geschäftshaus umgebaut. Mehr dazu finden Sie hier.




Der Speicher

Erbaut 1578 (ältester Profanbau im Stadtgebiet) und erweitert 1754 zur Nordseite. Die meisten großen Höfe Westfalens besaßen zur Lagerung des ausgedroschenen Getreides (lateinisch spica = die Ähre, das Korn; spicarum = der Speicher, niederdeutsch = Spieker) und zur Aufbewahrung von Saatgut bis in das späte 18. Jh. hinein Speichergebäude.

Giebelbreite 7,50 m
Traufseite 10,20 m
Firsthöhe 9.50m

Es sind in der Regel zweigeschossige, quadratische Bauten geringer Grundfläche mit Türen bzw. Aufzugluken in allen Geschossen. Das Obergeschoß hat sich hier nahezu unverändert erhalten. Es zeigt Schnitzereien im Stil der Weserrenaissance. Die Schwellen sind mit Ornamenten und biblischen Sprüchen versehen. Die Initialen auf der rechten Muschel am Südgiebel sind noch nicht vollständig gedeutet. Zu erkennen sind auf der linken die Jahreszahl 1578 und darüber die Bezeichnung Meier.

Im 18. Jh. war der Spieker dem damaligen Hofbesitzer wahrscheinlich zu klein, so wurde das Gebäude auf der Giebelseite zum Wohnhaus hin erweitert. In der Zeit von 1827 bis 1837 diente der Speicher als Schule der Bauernschaft Blankenhagen. Im Obergeschoß befand sich der Klassenraum. Der Lehrer in jener Zeit hieß Menckhoff. Viele Lehrer kamen damals als ausgemusterte Soldaten und gingen gleichzeitig als Tagelöhner zu den Bauern, um dort zu arbeiten. Das Schulgeld, das die Lehrer selbst bei den Leuten einsammeln mußten, betrug pro Kind und Jahr 1 Taler und im Winter 2 1/2 Silbergroschen für das Ofenholz. Zum Vergleich, ein Knecht bekam ca. 9 Taler Jahreslohn.

Am Speicher finden wir die wohl reichhaltigste Form an Schriftschnitzereien auf dem Meierhof.

Westseite älterer Teil:

NULLUS * EST * FOELIX * CONATUS * NEC * UTILIS * UNQUAM : COSILIUM * SI * NON * DETQUE * JUVETQUE * DEUS ANNO : DOMINI 1578
(Kein Versuch ist jemals glücklich und nützlich, wenn Gott nicht Rat gibt und hilft)

QUI CONFIDIT IN DEO NON CONFUNDETUR

(wer auf Gott vertraut, wird nicht zugrunde gerichtet)

Südgiebel:
MEIER TOM ...... 1578 VD: M. I. AE. S. B. M. E. A. S H I S T V B
Rasfeld Verbum Domini manet in Aeternum
Das Wort des Herrn bleibet in Ewigkeit

Nordgiebel:
WAS ICH VERRICHTEN SOL LAS ALLES WOL GELINGEN DAS ICH ZU GUTEM END
MIT EHREN MÖGE BRINGEN WENN ICH BIN LEBENSSAT UND HAB HIER
MEINEN THEIL SO ZEIGE MIR DENN AUCH DORT EWIGLICH DEIN HEIL P.S. 323 V. 15
NICALAUS MEIER ZURASVELT * ANGNET ELSABEIN BÜRTZEN
1754 DEN 15 MEI M. ADOLF SUSICK u. IHR LEUTE


Westseite jüngerer Teil:
ROLF HAVER + HELGA HAVER GEB. MEIER RASSFELD
URSULA * DIETLIND * FRIEDRICH WILHELM
ANNO 1275 RESTAURIERT 1975

Ursprüngliche Nutzung:
Zehntspeicher für das Kloster Marienfeld und zeitweilig auch Schulraum für die Kinder der Bauernschaft Blankenhagen, sog. Winkelschule, im Volksmund auch 'Klippschule' genannt.

Mehr zu diesem Thema.



Die Kotten und der Dorf-Spieker

Früher gehörten insgesamt 7 Kotten und der Dorf-Spieker an der Apostelkirche zum Meierhof. Die Kotten standen in der Feldmark, auf dem zum Meierhof gehörigen Land. Derzeit existieren noch 3 Gebäude. Die Kotten an der Tarrheide, an der Langenkampsheide, und der Spieker im Dorf Gütersloh, heute Kirchplatz Nr. 6.Kotten sind meist kleinere Wohnungen der nichtbäuerlichen Landbevölkerung. Der Name Kotten ist abgeleitet vom mittelniederdeutschen Kote oder Kate und findet sich auch heute im englischen Sprachgebrauch als cottage wieder.

Die Kötterstellen wurden von größeren und mittleren Bauern eingerichtet, um sichere Arbeitskräfte und zusätzliche Verdienste zu erlangen. Haus, Garten- und Ackerland wurden für einen bestimmten Zeitraum gegen Geld oder Naturalleistungen sowie Arbeitsleistung verpachtet (verheuert). Da das wenige Land nicht hinreichte, mußte der Heuermann oder Kötter entweder auf dem Hofe des Verpächters im Tagelohn arbeiten oder er betrieb ein Nebengewerbe.

Als Nebengewerbe waren weit verbreitet, die Flachs- und Hanfverarbeitung bis zur Garnspinnerei, sowie das Besenbinden und das Binden von Buschken für die Backöfen. Ferner waren die Holzschuhmacher sehr verbreitet. Andere Gewerbe wurden jedoch nicht zugelassen. In allen Fällen waren auch Frau und Kinder des Heuerlings gezwungen mitzuhelfen. 1) Die Leibzucht

Als Leibzucht verstand man das Altenteiler Haus, in dem der dem jungen Nachfolger platzmachende Altmeier einen eigenen kleinen Hof bewirtschaftete. Für den Meierhof Rassfeld außergewöhnlich ist die weite Distanz zwischen Haupthaus und Leibzucht. Die Leibzucht wurde im Jahre 1964 abgerissen. An seiner Stelle wurde ein Landarbeiterhaus für zwei auf dem Hofe arbeitende Familien gebaut. Die Inschrift des Torbalkens der im Jahre 1668 errichteten Leibzucht lautet:

CHRISTOFFEL SUTTBRACK BIN ICH GENANNT - MEIN GLÜCK STEIT IN GOTTES HAND - ALLE DIE MICH KENN - DEN GEBE GOTT WAS SIE MICH GÖNNEN
UND HABE DIS HAUS LASSEN BAUEN - EHE DIESEN HOF ANGENOMMEN
MIT BEHULFFE DIESER MUTTER CATHARINEN ANAGRETE RASFELDT
ACH GOTT LAS DIR BEFOHLEN SEIN DIES HAUS UND ALLES WAS DAREIN
GESEGNE ES MIT DEINER HADT BEWAHR ES FOR KRIEG, RAUB UND BRAND.
M A D 1668
ANNA MARGARETHEN RASFELDT

2) Die kleine Worth
Aus dieser Kötterstätte wurde ein eigenständiger Bauernhof, der heutige Hof Häcker.

3) Die Tarrheide
Der Kotten an der Tarrheide wurde bis 1982 bewohnt von Mutter Pielhoff und Sohn Hans. Auf dem nach Norden gerichteten Torbogen steht geschrieben:

HERR AUF DICH TRAUE ICH LASS MICH
NIMMERMEHR ZU SCHANDEN WERDEN
PS. 31 VERS 1




Es ist geplant, diesen Kotten zu erhalten und für heutige Wohnbedürfnisse auszubauen.

4) Die Langenkampsheide
Der letzte, heute noch bewohnte Kotten auf dem Meierhof. An seinem Torbogen steht geschrieben:

FRIEDRICH CHRISTOPH MEYER RASFELD UND ANNA MARIA KÜNSEBECKEN
JETZO MEYER RASFELDS HABEN DIESEN BAU AUFRICHTENLASSEN.
DEN 14TEN MÄRZ 1823 M. DRÖGE.


Da dieser Kotten erst im Jahre 1823 neu errichtet wurde und im Jahre 1825 das Haupthaus auf dem Meierhof erbaut wurde, gehen wir heute davon aus, daß der Meier Friedrich Rassfeld vorrübergehend in diesem Kotten gelebt haben muß, bis sein Haupthaus wiederhergestellt war. Aus dem Urkataster aus dem Jahre 1822 können wir ersehen, daß an dieser Stelle auch zum Zeitpunkt der Erhebung (1822) eine Kötterstelle bestanden hat. Dieser Kotten ist mit großem Aufwand in den Jahren 1999 bis 2001 grundlegend saniert worden. Ebenso wie beim Haupthaus wurden ausschließlich ökologische Baumaterialien verwand.

5) Der Schleibusch

Heute zeugt nur noch die Flur- und Strassenbezeichnung Im Schlebusch von seiner Existens. Dieser Kotten wurde vom Meier zu Rassfeld käuflich mit allem dazugehörigen Land erworben.

6) Die Große Worth

Dieser Kotten wurd im Jahre 1966 durch einen Brand vernichtet, aufgegeben und abgerissen. Im Torbalken stand geschrieben:


BEI ALLEM WAS DU TUST BEDENKE DAS ENDE
WITTWE MEIER RASFELD GEB. KÜNSEBECKEN UND F.R.W.N. UND H. RASFELD DEN 28. OKTOBER 1854

7) Wesselmanns Kotten, früher Höcker

Er stand an der Holler Straße und war auch zum Meierhof Rassfeld gehörig. Dieser Kotten wurde jedoch verkauft und in den sechziger Jahren abgerissen.


....

Der Dorf-Spieker


Der Spieker am Kirchhof Nr. 6 wurde 1660 vom Meier zu Rassfeld gekauft. Nach kurzer Zeit war jedoch nicht mehr von Nutzen, sodass er wieder verkauft worden ist. Die Geschichte des Spiekerringes um die Apostelkirche war eng mit den Gütersloher Meierhöfen verknüpft. Als Dokument aus den Anfängen des Dorfes Gütersloh ist er heute in restaurierter Form erhalten.

Die Inschrift in an der Hausfront oben:

DIE GNADE DES HERRN VON EWIGKEIT ZU EWIGKEIT, ÜBER DIE SO IHN FÜRCHTEN UND SEINE GERECHTIGKEIT AUF KINDES KIND.
PSL. C h h h

Die Inschrift Hausfront Mitte:


ABGONST DER MENSCHEN KAN MIER NICHT SCHADE WAS MEIN GOTT WIEL MUS MIER GERATEN

Die Inschrift in der ehemaligen Eingangstür:


WIES GOT GEFAL DASELB ICH WIL UND WEIER NICHTS BEGEHR



Der Hofladen


Im Jahre 1708 erbaute der Meier Johan Herm zur Müdehorst Rassfeld einen Stall parallel zum heutigen Haupthaus. Es handelte sich um einen Fachwerkbau mit weich gebrannten roten Ziegeln, die nicht verputzt waren. Das Gebäude wurde als Durchfahrtscheune genutzt.

Über das große zweiflüglige Tor zum Hof ließ der Erbauer in den Torbalken einschnitzen:
HERM ZUR MÜDEHORST - ANILSABEIN SUTBRACK MEYER UND MEYERSCHE ZU RASFELDT
M.HINRICH POGGENHANS ANNO 1708 DEN 11. APRIL

In den Torbalken zur hofabgewandten Seite sollte ein Versreim eingeschnitzt werden, dieses mißlang jedoch dem Meister, und er vollendete seine Arbeit nicht. Schön, daß uns dieses Zeugnis noch heute erhalten ist.
DA DIE TREUE WARD GEBOREN ZOG SIE IN EIN JÄGERHORN,
DER JÄGER BLIES SIE IN DEN WALD DARUM MAN NIRGEND TREUE

Richtig hätte es heißen müssen:
Da die Treue ward geboren zog sie in ein Jägerhorn,
der Jäger blies sie in den Wind darum man nirgend Treue findt.

Das Haus wurde in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts grundlegend umgebaut und erweitert. Dabei wurde jedoch die Grundfachwerkkonstruktion erhalten und mit neuen Außenwänden umbaut. Die Dachkonstruktion wurde geändert, und die Firstausrichtung im rechten Winkel zum Haupthaus, und nicht parallel dazu erstellt. Die Außenwände waren grau verputzt und zeigten einen nüchternen industriellen Charakter. Dieses Gebäude wurde als Schweine- und Pferdestall genutzt, bis es im Jahre 1957 von Rolf Haver um den Teil erweitert wurde, der das Gebäude fortan mit dem Haupthaus verband. Auf dem geräumigen Dachboden des Altbestandes wurden eine Getreidemühle und eine Futtermischanlage installiert, in der das Futter für die darunterliegenden Mastschweine und das Milchvieh geschrotet und gemischt wurde. Auf dem anderen Teil des Dachbodens, dem des Neubaus, wurde das Stroh für die Schweine gelagert. Dieser Umbau wurde genau am 01.August 1957, dem Tag der Geburt von Friedrich Wilhelm Haver, fertiggestellt.

Darum ließ Rolf Haver in die zum Hof hingewandte Seite des Torbalkens vom Dachboden einschnitzten:
FRIEDRICH WILHELM HAVER
ERBAUT 1. AUGUST 1957 GEBOREN 1. AUGUST 1957

Bei dem Schweinestall handeltet es sich um eine Dänische Aufstallungform, bei der die Tiere in Gruppen zu 30 Tieren in Laufställen auf Stroh untergebracht waren. Zu jeder Gruppe gehörte ein Außenauslauf, eine Art Terrasse als Mistgang.

Auf den Tag genau 30 Jahre später, am 1. August 1987 baute Friedrich Wilhelm Haver den Schweinestall um und errichtete darin den Hof-Laden mit den dazugehörigen Verarbeitungs- und Kühlräumen. Auch bei diesem Umbau wurde die Fachwerkkonstruktion aus dem Jahre 1708 erhalten und grundlegend saniert. Sie stellt den Verkaufsraum des Hof-Ladens in ursprünglicher westfälischer Fachwerksform da. Der Hof-Laden wurde am 17. Dezember 1987 feierlich eröffnet. Für das Jahr 1997 ist geplant, auf dem geräumigen Strohboden eine Land-Stube zu errichten, in der das traditionelle Suppenessen und andere gastronomische Überraschungen auf die vielen Besucher des Meierhofes und des Hof-Ladens warten.

Die Kunden des Hof-Ladens werden durch den Spruch in dem Türbalken begrüßt, der zugleich den Inhalt der Hof-Ladenidee treffend wiedergibt.

DER SINN DES DASEINS LIEGT IN DER NATUR * 1987 *

Der Hof-Laden wurde bis 1998 von der offenen Handelsgesellschaft "L.H.B. Landspezialitäten Haver & v.Boeselager" betrieben. Heute wird der Hof-Laden von der Meierhof Rassfeld Landspezialitäten GmbH & Co. KG betrieben.

Die Gasübergabestation
 


Mit der Entscheidung, als Haupt Energieträger Erdgas von dem städtischen Zulieferbetrieb Stadtwerke Gütersloh zu verwenden, ist eine Gasleitung von der Brockhäger Str. bis zur Hofstelle verlegt worden. Um die einzelnen Gebäude in eigener Regie versorgen zu können, wurde im Bereich des Speichers eine Häuschen für die Unterbringung des Haupt-Gaszählers errichtet. Von diese Stelle führen zwei Gas-Leitungen über den gesamten Betrieb sodass fast jedes Gebäude mit Erdgas versorgt werden kann. Als Baustil für den reinen Zweckbau wurde ein der historischen Hofstelle anpepasster Stil gewählt. Im Dachstuhls ist ein Brutkasten für Schleiereulen untergebracht, der durch ein Flugloch zur Waldseite zugänglich ist, und hoffentlich bald angenommen wird. Als traditionelle Türbalken-Inschrift wurde passen zu dem Zweckbau gewählt:

ZUKUNFT DURCH VERZICHT 1996


Die Brücken

 

Die Lage des Meierhof Rassfeld direkt am Schlangenbach, hat es bereits in der Vergangenheit notwendig gemacht, das einige Brücken zur Überquerung des Baches angelegt worden sind. Heute befinden sich insgesamt 5 Brücken im Eigentum des Meierhofes.
An der Zufahrt zum Landarbeiterhaus, ursprünglich eine Holzbrücke, wurde sie im Jahre 2004 als bis 25 T tragsichere Betonbrücke ausgebaut.
Zufahrt zur Hofweide an der Hofstelle, Betonbrücke
Zufahrt zur Brockhäger Str./Langenkampsheide, Beton mit Eisenträgern
Fußgängerbrücke entlang des Wanderweges Langenkampsheide zur Fröbelstraße, Holz, durch die Stadt Gütersloh erreichtet.
Feldzufahrt an der Langenkmapsheide zur "Großen Wiese", Betonträger mit Holzbeplankung
Die Brücke Langenkampsheide zur Marienfelder St
r., früher die Verbindung zum Witthof wurde im Jahre 2001 mit Einverständnis alle Anlieger durch den direkten Nachbarn "Hof Häcker" entfernt und durch eine Fußgängerbrücke erstetzt.

Nun war es an der Zeit, auch die Brücke der ehemalige Hauptzufahrt, wieder herzustellen. Die gemauerten Aufbauten und Pfeiler waren durch zwei umgestürzte Buchen im Jahre 1989 zum größten Teil zerstört worden. Im Jahre 1908 führte Friedrich Wilhelm August Meier den Meierhof, ihm wurde von seinem Bruder Geld für die Errichtung einer repräsentativen Brücke gespendet. Dieser vom Hof stammende Bruder hieß Prof. Dr. Fritz Rassfeld, geb. 17.02.1857, er war Studienprofessor am Gymnasium in Höxter. Eine Inschrift in der Brücke erinnert an diese Schenkung:

GESTIFTET VON PROF. DR. RASSFELD, HÖXTER 1908

Bei der ursprünglichen Form waren die großen Pfeiler, die auch die beiden schweren Eichenholztore trugen, auf der Hof zugewandten Seite gestanden. Aus Gründen der Fundamentierung, und der Ansicht des kommenden Besuchers wurden die großen Pfeiler mit den Toren auf der Hof abgewandten Seite neu fundamentiert und aufgemauert. Die Brückenmauern wurden daher um 2 m verlängert.
War die alte Brücke aus Kalksandsteinen, wurde die neue Brücke mit dem auch an amderen Stellen auf dem Hof eingesetzten "Westfalen Klinker" herstellt. Das Erbauungsjahr 1908 steht in einem Stein geschlagen, der ursprünglich an der Nordseite des Natursteinfundamentes, und jetzt in der westlichen Mauer der Brücke, eingemauert war. Ein Sandstein aus dem Jahr 2001 in der anderen Mauer hält das Datum der Brückensanierung fest.
Warum 2001, wenn die Brücke im Jahre 2002 neu hergestellt worden ist. Ganz einfach. Dieser Sandstein kostet im Jahre 2002 anstatt 69 EURO nur noch 19 EURO, und was sind schon 1 Jahr wenn man die Gesamtgeschichte der Brücke betrachtet, und sparsam sind wir immer gewesen, zumindest an den richtigen Stellen!

Nach fast 100 Jahren wurde wieder gespendet. Anläßlich des 40sten Geburtstages von Friedrich Wilhelm Haver Meier Rassfeld am 01.08.1997, was mit einem rauschendem Fest auf der Deele gefeiert wurde, und zum 70sten Geburtstag von Frau Helga Haver, geb. Meier Rassfeld am 02.12.1997, wurde Geld für die Wiederherstellung dieser Brücke gesammelt. Die Gäste beider Geburtstagsfeiern spendeten insgesamt circa die Hälfte der Renoivierungskosten des Bauwerks.

Vielen Dank an alle Freunde, Verwandten und Gönner, die es mit Ihrer Spende ermöglicht haben, auch dieses Bauwerk wieder im neuen "alten" Schein erstrahlen zu lassen, und der Zukunft dadurch zu erhalten. Die Namen aller Spender sind in der Mauer der Brücke eingemauert.

 
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Die Flösswiesen

 

Wasser, als lebensnotwendiges Element, war in vielerlei Hinsicht Grund für Entscheidungen in der Siedlungsgeschichte der Menschen besonders auf dem Land. Ohne den direkten Zugang zum Wasser, sei es ein fließendes Gewässer oder die Möglichkeit einen Brunnen mit guten Wasserqualitäten zu bauen, war die Besiedlung nicht möglich. Dieses ist sicherlich mit ein Grund, warum im ersten Jahrtausend an der heutigen Stelle des Meierhofes, direkt am vorbeifließenden Schlangenbach, Menschen siedelten und das Land urbar gemacht haben.
Das Wasser war die Lebensader. Es war notwendig für die Ernährung von Mensch und Vieh, zum Bewässern von Feld und Wiesen, zu Waschen und als Lebensraum von Flusskrebsen und sonstigen eßbaren Fischen. Als Retter in der Not, zum Löschen von Bränden sowie als Schutz z.B. bei Gräften und Speichertürmen bediente man sich des Wassers.

Auf dem Meierhof Rassfeld wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein ausgeklügeltes Flösswiesensytem errichtet. Dazu wurden Staurechte eingetragen, Wehre gebaut und Flächen nivelliert. Der Schlangenbach wurde mit Hilfe von insgesamt vier Stauwehren aufgestaut und in Flössgräben abgeleitet. Aus den Gräben heraus wurden einzelnen Flächen bewußt geflutet. Dann sickerte das Bachwasser in den eigentlichen Bachlauf zurück. Nährstoffreiche Schwebstoffe lagerten sich als natürlicher Dünger auf den Wiesen ab. Das Gras konnte wachsen und wurde als Futter, meist in Form von Heu, geworben.

Die Flößwiesentechnik verlor bald seine Bedeutung, als mineralische Dünger auf die Flächen ausgebracht werden konnten. Da, wo nach der Flösstechnik keine weitere landwirtschaftliche Nutzung stattfand, entwickelte sich eine besondere Form einer Kulturlandschaft, die wir heute als ökologisch sehr wertvoll erachten und für Flora und Fauna erhalten.

 

Stand 20.07.2006