Der Meierhof Rassfeld
1088 das erste mal erwähnt

Erstmals wurde der am Schlangenbach in der Bauernschaft Blankenhagen gelegene Meierhof Rassfeld in der ältesten Herzebrocker Heberolle im Jahre 1088 erwähnt, darin wird vom Hause Rathas-Velde berichtet, welches 16 Scheffel Roggen und 1 Taler abzugeben hatte. In einer späteren Schenkungsurkunde vom 29. Juni 1275 schenkte die Witwe des Edlen Bernhard von der Lippe dem Kloster Marienfeld eine Hufe des Hofes Rassfeld zum Seelenheil des Verstorbenen. In demselben Jahr 1275 wurde eine zweite noch heute erhaltene Urkunde ausgestellt, in der der Burggraf Heinrich von Stromberg den Verkauf des Hauses Rassfeld durch den Pfarrer Lutbert an das Kloster Marienfeld beurkunden ließ. Damit gehörte der große Meierhof mit allem Hab und Gut dem Kloster Marienfeld. Der Meierhof Rassfeld ist seit seiner erstmaligen Erwähnung bis heute im Besitz der Familie Meier zu Rassfeld. Er stellt somit ein beachtliches Stück Heimat-, Familien- und Stadtgeschichte dar. Die gesamte historische Hofanlage steht unter Denkmalschutz. Der Speicher seit 1984 und die restlichen Fachwerkgebäude und das gesamte Hofpflaster seit 1990.

Der Name Meier zu Rassfeld tritt schon mit der Nennung in den ältesten Urkunden auf. In der Namensverbindung Meier zu Rassfeld ist der Teil Meier nicht als Name, sondern als Titel zu verstehen.
Schon in karolingischer Zeit waren die Gutsherren oft und lange gezwungen, ihre Güter einem Aufseher anzuvertrauen. Diese Leute hießen Major villicus und trugen den Namensteil Meier als Titel. Bei der Bemeierung entstand eine Art Lehensverhältnis. Als diese Höfe später gegen Pacht abgegeben wurden, entwickelte sich allmählich ein besonderes Recht, das Meierrecht. In der Folgezeit wurde das Meierrecht erblich. Die Meier wurden Besitzer der Höfe, und das Abhängigkeitsverhältnis zum Gutsherrn änderte sich in mancherlei Weise. Der Titel Meier konnte nur von Hof-Erben weitergeführt werden. Über den Namensteil Rassfeld sind verschiedene Variationen überliefert: Rathas-Velde, wie in der Urkunde aus dem Jahre 1088 zu lesen, könnte auf das Feld von Rathas hindeuten, näher liegt jedoch die Definition vom Rode-Feld, dem gerodeten Feld. Danach ist der Name Rassfeld als Ortsbezeichnung zu verstehen. Durch die Jahrhunderte wurde der Name unterschiedlich geschrieben, was besonders gut in den vielen Inschriften an den Gebäuden zu sehen ist.

Heute umfaßt der Meierhof ca. 100 ha Ackerflächen und Wiesen sowie 15 ha Bauernwald. Auf den Feldern werden Getreide als Brot- und Futtergetreide, Mais sowie Kartoffeln für die hofeigene Vermarktung angebaut.
In den Jahren von etwa 1750 bis 1900 wurde die Arbeit auf dem Meierhof dadurch bestimmt, daß viele Heide und Ödland dem Kulturland zugefügt wurde und der Anbau wenig ertragreicher Feldfrüchte etwas intensiviert werden konnte.Ein weiterer Abschnitt, den man mit dem Jahre 1900 beginnen lassen kann, läßt sich in Stichworten vielleicht so charakterisieren:

Kultivierung der Flächen durch die Anlage von ganz modernen Flößsystemen, Anwendung des ersten künstlichen Düngers, Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch Gründüngung (Seradelle und Lupinen hätten eigentlich in das Wappen dieses Meierhofes hereingehört), Umstellung von Sprögel (Flachs) und Buchweizen auf mehr Roggen und die Zusammenlegung von Parzellen durch ein gerades Wegesystem. Aufforstung von Ödflächen zu Kiefernparzellen und eine ganz wichtige und damals sehr fortschrittliche Handhabung gehört in diese Kultivierungsepoche hinein: der Einsatz des seiner Zeit so sagenumwobenen Ottemeyer`schen Dampfpflugs.
Es war der Meierhof sehr oft und auch über längere Zeit hinaus ein fast viehloser Betrieb, und das anfallende Gras wurde in Parzellen an Bauern zur Ernte verkauft.

In der jüngsten Hofgeschichte ab 1950 wurde die Ackernutzung durch Vermehrung des Kartoffelanbaus noch erheblich intensiviert, durch eine planvolle Düngung die Bodenfruchtbarkeit erhöht und der Viehbestand aufgestockt.

Nach der Aufgabe der Rindviehhaltung und der Schweinemast in den 80er Jahren liegt der Schwerpunkt des Hofes in der Geflügelhaltung. Es werden Legehennen gehalten, Hähnchen und Puten aufgezogen und gemästet. Ein großer Teil der Produkte des Hofes gelangt durch den 1987 gegründeten Hof-Laden direkt an den Verbraucher. Das bäuerlich erzeugte Geflügel wird auf dem Hof zu verschiedensten Geflügel-Spezialitäten weiterverarbeitet, und in eigens dafür erstellten Räumlichkeiten wird Brot und Kuchen gebacken. Nach alten Hausrezepten werden Konfitüren und Gelees gekocht, die weit über die Gütersloher Grenzen hinaus geschätzt werden.
Gemäß einer alten Tradition, daß jeder Wandersmann, der über den Meierhof zog, zumindest einen Teller heiße Suppe bekam, wird heutzutage an jedem Samstag in der Landstube, die sich im Hof-Laden befindet, ein wechselndes Eintopfgericht serviert.


Glosse


Amtsstubenprotokoll der Herrschaft Rheda A.D. 1690 "in Sachen Fisci Rhedensis gegen den Meier Rassfeld wegen Wegeverbesserung." In Sachen Hochgräfl. Tecklenburg Fiscatio der Herrschaft Rheda, klägen wieder den Meier Rassfeld, erkennen wir für Recht, daß der Meier Rassfeld schuldig seie, den bei seinem Hof und zwischen seinen Kämpen hergehenden öffentlichen Fahrweg nicht gebührendt gebessert und dabei entstanden, daß zwo Personen in einem Loche ertrunken und ihr Leben eingebüßt, eine Geldstrafe von 20 golgl. in usum fisci zu bezahlen und nicht weniger die angewandten Unkosten zu refundieren, in Maße wir dann denselben so wol zu al solcher Strafe als Erstattung der Kosten verdammen von Rechtswegen. Daß dieses Urteil den uns zugeschickten Acten gemäß, bezeugen wir mit unserem Nahmen, Unterschrift und beigedrückten Pitschaft. Pro copia concordante J.H. Eikmeier Judicis Rhedensis Actuarius

 

Stand 23.03.2008